Junkers & Müllers

Pressemitteilungen

03.11.2009
Wie sinnvoll ist der Öko-Tex Standard?


In der Europäischen Union gelten branchenübergreifend strenge Bestimmungen für den Umgang mit schädlichen Chemikalien. Seit Juni 2007 gilt die europäische Chemikaliengesetzgebung REACh, die besonders Besorgnis erregende Stoffe auf einer Kandidatenliste veröffentlicht. Ein derart strenges Regelwerk gibt es aber nicht in allen Ländern. Umso wichtiger sind weltweit einheitliche Standards an denen sich Verbraucher orientieren können.

Ein großer Teil der Textilien, die in der Werbeindustrie zum Einsatz kommen werden im außereuropäischen Ausland gefertigt und entziehen sich damit jeglicher Europäischer Gesetzgebung. So dürfen etwa in Fernost Chemikalien verwendet werden, die in der EU beim Produktionsprozess grundsätzlich verboten sind. Wird die fertig ausgerüstete Ware hingegen in die EU importiert darf sie hier anschließend verbreitet und weiterverarbeitet werden, mit allen gesundheitlichen Risiken, die diese Textilien bergen.
Besonders besorgniserregend ist der Anteil an Chemikalien in flammfest ausgerüsteten Textilien, wie sie in der Werbeindustrie sehr häufig zum Einsatz kommen. In allen öffentlichen Gebäuden und auf Messen werden in der Regel ausschließlich flammfeste Materialien verwendet.

Bis Anfang der 90iger Jahre gab es weder für Verbraucher ein verlässliches Produktlabel, noch einen einheitlichen Sicherheitsmaßstab für produzierende Unternehmen, der eine Bewertung von Schadstoffen in Textilien ermöglichte. Daher haben sich das Österreichische Textil-Forschungsinstitut (ÖTI) und das deutsche Forschungsinstitut Hohenstein zusammen getan und auf der Grundlage ihrer bestehenden Prüfnormen den Öko-Tex Standard 100 entwickelt. Mittlerweile sind weltweit über 40 Institute angeschlossen und mehr als 8000 Textilhersteller in 80 Ländern zertifiziert.

Mit dem Öko-Tex Standard haben Textilunternehmen seit 1992 die Möglichkeit, die humanökologischen Eigenschaften ihrer Produkte freiwillig überprüfen und zertifizieren zu lassen. Alle Prüfinstitute arbeiten weltweit nach einem einheitlichen Standard. Für den Verbraucher bedeutet das Label „Textiles Vertrauen“, dass er eine verlässliche Produktbezeichnung erhält und er sich darauf verlassen kann gesundheitlich unbedenkliche Produkte einzukaufen.
Die nach Öko-Tex Standard zertifizierten Textilien erfüllen automatisch alle Kriterien der REACh Verordnung, da der historisch gewachsene und für die gesamte Textile Kette deutlich strenger aufgestellte Kriterienkatalog einen wirksamen Schutzschild vor möglichen Problemstoffen bildet. Ferner legt die Öko-Tex Gemeinschaft spezielles Augenmerk  auf die von der europäischen Chemikalienagentur ECHA als besonders besorgniserregend eingestuften Stoffe und entwickelt ihre Prüfkriterien ständig entsprechend weiter.

Trotz aller Bemühungen ist nach derzeitigem Stand der Technik eine chemikalienfreie Textilproduktion leider nicht möglich. Ohnehin sind digital bedruckbare Textilien aus Polyester und damit aus Chemie. Auch nach Öko-Tex 100 zertifizierte Produkte (selbst in der strengsten Produktklasse I für Babytextilien) sind nicht frei von Chemikalien. Restmengen an Schwermetallen und Pestiziden werden zugelassen. Zur Erklärung gibt Öko-Tex an, das die Ansprüche der Kunden an leistungsfähige Textilien diese Toleranzen erforderlich machen würden. Das Hauptargument gegen Öko-Tex 100 ist, dass die Prüfung nur am fertigen Produkt erfolgt und einen schadstoffreichen Produktionsprozess nicht berücksichtigt. Für einen umweltfreundlichen Produktionsprozess hat Öko-Tex einen eigenen Prüfstandard, Öko-Tex 1000 entwickelt, jedoch haben sich nach diesem Standard bis heute erst rund 50 Unternehmen zertifizieren lassen.
Dennoch ist Öko-Tex 100 für die Textilindustrie zur Zeit der weltweit einzige verlässliche und einheitliche Standard nach dem Textilien geprüft werden und nach dem der Verbraucher sicher sein kann, dass Textilien keine Schadstoffe in gesundheitsgefährdenden Mengen enthalten. Viele Textilhersteller schmücken sich mit grünen Parolen, die aber nur mit einem entsprechenden Zertifikat glaubhaft werden.

Die Forderung nach gesundheitlich unbedenklichen Textilien verbreitet sich unter Verbrauchern zunehmend. Dazu haben in den letzten Jahren – neben einem allgemein sensibleren Umgang mit der Umwelt und der Gesundheit auch zahlreiche Meldungen über chemisch belastete Produkte vor allem aus asiatischen Ländern beigetragen.
So wird Nachhaltigkeit wird ein immer wichtigeres Thema in der gesamten Werbeindustrie. Nicht nur Stoffhersteller, sondern auch Tintenhersteller springen auf den Ökologie-Zug auf.
Von Hewlett-Packard gibt es jetzt die neuen wasserbasierten Latex-Tinten, die kein Risiko mehr für Umwelt und Gesundheit darstellen sollen. Ebenso wirbt die Firma Durst mit ökologisch unbedenklichenTinten. Besonders sinnvoll wird ein Einsatz dieser Tinten natürlich dann, wenn auch das bedruckte Medium entsprechend umweltfreundlich ist.
Viele große Konzerne, die sich einen schonen Umgang mit der Umwelt auf Ihre Fahnen geschrieben haben, wie z.B. Ikea, Adidas oder Coca Cola, haben jetzt die Möglichkeit Ihre Philosophie im Werbebereich umzusetzen und Fahnen, Banner etc. nach dem neusten Stand der Technik mit ökologischen Tinten auf ökologisch unbedenklichen Medien produzieren zu lassen.